Halle/ Schwerin/ Berlin/ Radebeul, 01. September 2026. Die Diakonie zwischen Ost-see und Erzgebirge ist mit rund 132.000 Mitarbeitenden in 6.500 gemeinnützigen Ein-richtungen und Diensten ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Wir tra-gen in den ostdeutschen Bundesländern wesentlich zum gesellschaftlichen Zusam-menhalt sowie zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bei. Wir setzen uns für eine Ge-sellschaft ein, in der alle Menschen Zugang zu Teilhabe und einem Leben in Würde haben - als ein Garant für gelebte Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit.
Wir erfahren jeden Tag in unseren Einrichtungen und Diensten, wie soziale Hilfe unser Für- und Miteinander stärkt. Eine sozial gerechte Gesellschaft bildet das Fundament unserer Demokratie. Deshalb richten wir diesen Appell an alle Parteien in den ostdeut-schen Ländern und der Bundesregierung.
Die ostdeutschen Bundesländer stehen vor besonderen Herausforderungen. Kinder, Jugendliche und ältere Menschen sind überdurchschnittlich oft von Armut bedroht. Langzeitarbeitslosigkeit bleibt ein drängendes Problem. Der demografische Wandel und insbesondere eine älter werdende Bevölkerung führen zu Engpässen in der Da-seinsvorsorge. Die angespannte finanzielle Lage der ostdeutschen Bundesländer und Kommunen setzt soziale Angebote massiv unter Druck. Gerade im ländlichen Raum wird die soziale Infrastruktur stetig ausgehöhlt. Wir arbeiten täglich daran, die Folgen dieser Entwicklungen für die Menschen abzumildern.
Deshalb sehen wir die sozialpolitischen Vorhaben der Bundesregierung mit großer Sorge. Die geplanten Änderungen in der Kranken- und Pflegeversicherung bedrohen akut die ambulante Versorgung in unseren Bundesländern. Sie verteuern die Kosten für Tagespflege sowie stationäre Unterbringung und belasten Angehörige. Überpro-portional viele Menschen in Ostdeutschland leben von geringem Einkommen und ge-ringen Renten. Die geplanten Reformen stellen ganze Lebensleistungen infrage.
Mit den vorgesehenen Einschnitten bei den individuellen Leistungen für Kindern, Ju-gendlichen sowie Menschen mit Behinderungen verlieren Familien wichtige Unterstüt-zungsangebote und damit die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe und ein selbstbe-stimmtes Leben.
Diese Entwicklungen verunsichern und belasten die Menschen. Wir brauchen eine Po-litik, die Chancen für alle Menschen eröffnet, Zuversicht stiftet und Zusammenhalt
stärkt. Das funktioniert nicht mit einfachen Lösungen und bedarf nachhaltiger Investi-tionen in den Sozialstaat.
Wir betonen: Wer bei den Schwächsten spart, gefährdet den sozialen Frieden und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in einen handlungsfähigen Staat.
Wir appellieren an alle Parteien, die auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen: Finden Sie einen gemeinsamen Weg – für eine ostdeutsche Zukunft der Menschenwürde und Nächstenliebe.
Wir rufen alle Wahlberechtigten auf: Gehen Sie zur Wahl! Nutzen Sie Ihr demokrati-sches Recht und stärken Sie in Ihrem Land eine sozial gerechte, vielfältige und offene Gesellschaft.
Schweriner Erklärung als PDF zum Download
Christoph Stolte, Dr. Martina von Witten (Diakonie Mitteldeutschland),
Paul Philipps, Henrike Regenstein (Diakonie Mecklenburg-Vorpommern),
Dr. Anne-Katrin Escher-Lorenz, Dr. Ursula Schoen (Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz)
Dietrich Bauer, Kathleen Westphal (Diakonie Sachsen)
Rüdiger Schuch (Diakonie Deutschland)
Hintergrund:
Die Diakonie handelt und unterstützt die Menschen in Ostdeutschland aufgrund des christlichen Ge-bots der Nächstenliebe, das den Blick auf den Menschen richtet, die Unterstützung und Solidarität be-nötigen. Die Diakonie ist dem christlichen Bekenntnis zur Würde eines jeden Menschen unbedingt ver-pflichtet. Sie steht für eine vielfältige, offene und tolerante Gesellschaft, in der niemand auf Grund sei-ner Herkunft, seines Geschlechts, seiner sexuellen Orientierung, seines Alters, einer Behinderung, ei-ner psychischen Erkrankung, seiner Religion oder seiner kulturellen Prägung ausgegrenzt wird.
