Schulden, Sucht, soziale Notlagen – immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern brauchen Hilfe. Doch immer weniger Beratungsstellen können sie leisten. „Wer in einer Krise steckt, darf nicht allein gelassen werden. Doch genau dafür verringern sich gerade die Möglichkeiten in unserem Land“, warnt Henrike Regenstein, Vorstand des Diakoni-schen Werkes Mecklenburg-Vorpommern. „Wer heute an Beratung spart, zahlt morgen ein Vielfaches – durch teure Folgekosten und verlorene Lebensperspektiven.“
Gemeinsam mit der Rostocker Stadtmission hat das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e.V. zur dritten Veranstaltung der Reihe „Diakonie im Dialog“ eingeladen. Unter dem Titel „Rat-los in MV. Beratungsstellen vor dem Aus?“ diskutierten Landtags-Kandidat:innen in Rostock über Lösungen für die dramatische Unterfinanzierung sozialer Beratungsangebote.
Drei Bereiche – eine Krise: Beratung am Limit
Allgemeine Soziale Beratung
Viele Menschen scheitern bereits an der ersten Hürde: Sie wissen nicht, wo sie Hilfe fin-den können oder werden zwischen Ämtern hin- und hergeschoben. Die Allgemeine Soziale Beratung als niedrigschwellige erste Anlaufstation und Wegweiser ist vielerorts in Gefahr – obwohl sie Krisen früh abfedern und teure Folgekosten vermeiden könnte.
Sucht- und Drogenberatung
Mecklenburg-Vorpommern ist Bundesspitzenreiter bei Alkoholsucht – über 42.000 Men-schen waren 2023 in Behandlung. Doch statt auf diesen Bedarf frühzeitig zu reagieren, sankt die Zahl der Berater:innen: von 72 (2021) auf (etwa) 66 aufgrund fehlender Finanz-mittel. Benötigt würden 79 Fachkräfte. Ohne eine Aufstockung der Finanzierung drohen weitere Schließungen, besonders im ländlichen Raum.
Schuldner- und Insolvenzberatung
Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg 2024 um 4 Prozent auf 1.787 Fälle – die Forde-rungen explodierten um 21 Prozent auf 68 Mio. Euro. Gleichzeitig müssen Schuldnerbera-tungsstellen geschlossen werden: Durch unzureichende Finanzierung nach dem Wohl-fahrtsfinanzierungs- und Transparenzgesetz (WoftG) müssen Träger ihre Angebote ein-stellen. Wer noch einen Termin bekommt, wartet monatelang – was die Verschuldung nur verschlimmert.
Das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e.V. setzt sich dafür ein, dass Bera-tungsstellen für alle Menschen erreichbar sind und ausreichend vorhanden bleiben. „Ob die Menschen mit ihren Sorgen und Problemen eine wohnortnahe Beratungsstelle aufsu-chen können, darf nicht von Kassenlagen abhängen“, betonte Katharina Hillscher, Res-sortleitung der Rostocker Stadtmission. „Es braucht Regelungen, die sicherstellen, dass die Finanzierung der vorhandenen Strukturen sich nicht stetig verringert, sondern vollstän-dig refinanziert ist und nachhaltig durch verlässlich Standards gesichert wird.“
Mit „Diakonie im Dialog“ macht die Diakonie im Landtagswahljahr klar: Soziale Infrastruktur ist kein Luxus – sie ist die Grundlage für Zusammenhalt und Demokratie.
Hintergrund:
Das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e. V. (Landesverband) ist mit über 16.500 hauptamtlichen und über 2.533 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen in rund 1.000 gemeinnützigen Einrichtungen und Diensten einer der größten Wohlfahrtsverbände in Mecklenburg-Vorpommern. Das Betätigungsfeld reicht u. a. von der Kinder- und Jugendhilfe, der Familien- und Altenhilfe über vielfältige Beratungs- und Behandlungsangebote, der Gefährdetenhilfe und Behindertenhilfe bis hin zu den Freiwilligendiensten und der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e. V. ist ein rechtlich selbstständiges Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).
Pressekontakt:
Manja Potts | Stabsstelle Presse
Telefon: (0385) 50 06-1 63 | Fax: (0385) 50 06-1 00 | Mobil: (01 52) 21 84 41 77 E-Mail: potts@diakonie-mv.de | www.diakonie-mv.de
