Diakonie im Dialog: Pflege im ländlichen Raum unter Druck

5 Personen stehen an Bistrotischen in einer Diskussion.David Genz

Die pflegerische Versorgung im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern steht vor wachsenden Herausforderungen. Immer mehr pflegebedürftige Menschen treffen auf eine sinkende Zahl an Fachkräften. Gleichzeitig werden zwar zunehmend mehr Pflegebedürftige zu Hause betreut,doch viele ambulante Pflegedienste bewerten ihre wirtschaftliche Lage als angespannt bis prekär.

Vor diesem Hintergrund hat das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e. V. gemeinsam mit der Diakonie Mecklenburgische Seenplatte gGmbH im Landtagswahljahr 2026 am gestrigen Abend zur Veranstaltung „Diakonie im Dialog“ nach Penzlin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte eingeladen. Mit Kandidat:innen für ein Landtagsmandat wurde über nachhaltige Lösungen für die Versorgung der Menschen im ländlichen Raum diskutiert. Der Präsident der Diakonie Deutschland, Rüdiger Schuch, nahm als Gast mit bundespolitischem Blick
teil.

Der Veranstaltungsort war bewusst gewählt: Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gilt als exemplarisch für die strukturellen Herausforderungen ländlicher Regionen. Mit einer Fläche von über 5.400 Quadratkilometern ist er der größte Landkreis Deutschland, weist mit rund Kompetenzzentrum

245.000 Einwohner:innen jedoch eine geringe Bevölkerungsdichte mit gleichzeitig überdurchschnittlich hohem Altersdurchschnitt auf.
„Lange Wege, eine ausgedünnte soziale Infrastruktur und eine zunehmend alternde Bevölkerung stellen alle jene vor enorme Herausforderungen, die sich um die Menschen in Regionen wie dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte kümmern. Auch hier darf niemand mit seinen Problemen und Bedarfen allein gelassen werden“, erklärt Henrike Regenstein, Vorstand der Diakonie MV. „Aus unserer Sicht fehlen bisher jedoch langfristig wirksame Konzepte auf Landesebene, um diese Entwicklung nachhaltig zu gestalten.“

Auch aus Sicht der Träger wächst der Handlungsdruck. „Für uns gewinnt die Frage an Bedeutung, wie wir die Versorgung auch zukünftig gut organisieren können“, betont Christoph de Boor, Geschäftsführer der Diakonie Mecklenburgische Seenplatte. „Das betrifft insbesondere die Gewinnung neuer Mitarbeitender, weil die Zahl der zu Versorgenden wächst und zugleich auch bei uns die sogenannten Babyboomer in Rente gehen, vor allem aber die seit 2023 fehlenden verbindlichen Vergütungsgrundlagen in der häuslichen Krankenpflege, die uns wirtschaftlich massiv belasten.“ Die Diakonie fordert daher mehr Mut zu strukturellen Veränderungen und effizienten Verfahren, aber keine planlosen Einsparungen auf dem Rücken alter und hilfebedürftiger Menschen. Ziel müsse es sein, die pflegerische Versorgung im ländlichen Raum langfristig zu sichern und den steigenden Bedarf trotz Fachkräftemangels zuverlässig
abzudecken.

„Das Pflegesystem ist an der Belastungsgrenze. Viele pflegebedürftige Menschen und ihre Familien fühlen sich doppelt überfordert: mit der Pflege selbst und mit ihrer Finanzierung. Eine Pflegereform muss dringend für finanzielle Entlastung und Planbarkeit sorgen. Die Bundesregierung muss auch in der Pflege das zentrale Versprechen unseres Sozialstaats einlösen: Wer Hilfe braucht, kann auf solidarische Unterstützung vertrauen. Soziale Leistungen und soziale Sicherheit sind nicht als Kostenfaktor anzusehen, sondern das Fundament unserer Gesellschaft und schaffen Vertrauen in unsere Demokratie“, betont Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch.

Mit der Veranstaltung „Diakonie im Dialog“ setzt die Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern ein deutliches Signal: Die Zukunft der Pflege und Daseinsvorsorge im ländlichen Raum braucht jetzt konkrete politische Antworten.

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