Jung, engagiert, gefährdet?

Wie Pflege-Azubis in Zeiten von Corona arbeiten

Schwerin |12. Mai 2020 - Tag der Pflege. Mundschutz, geschlossene Pflegeschulen und umgestürzte Dienstpläne: Drei Azubis aus diakonischen Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern berichten, wie sie ihren Alltag erleben. Bei allen Herausforderungen sind sie vor allem beeindruckt, wie stark ihre Teams zusammengeschweißt wurden. Und wie dankbar die Menschen sind, die sie betreuen.

Eigentlich wollten Anton, Justin und Sandra am 12. Mai 2020 von Mecklenburg nach Berlin fahren: Zum Tag der Pflege waren Auszubildende aus allen Bundesländern von der Diakonie Deutschland zu einem Azubi-Tag eingeladen worden, mit Barcamp und Party. Corona hat nicht nur die Partys gestrichen. Auch die Arbeitstage der jungen Auszubildenden beim Augustenstift zu Schwerin, den Schweriner Sozius Pflege- und Betreuungsdiensten bzw. vom Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg sind seitdem völlig andere.

Corona hat nicht nur die Partys gestrichen

Die Pflegeschulen sind geschlossen, alle drei wurden verpflichtet, in ihren Ausbildungsbetrieben zu arbeiten. Justin (3. Lehrjahr) hat Verständnis, dass die Dienstpläne über den Haufen geworfen werden: „Wenn die Muttis ihre Kinder betreuen müssen, ist doch klar, dass man einspringt“.

Sandra (1. Lehrjahr) fühlt sich dadurch nicht überfordert: „Wir haben unsere Praxisanleiter, die wissen, was wir schon können und was nicht. Und helfen einem weiter“.

Anton (2. Lehrjahr) wurde darauf vorbereitet, dass die Bewohner verängstig oder traurig könnten, da sie keinen Besuch empfangen dürfen. Dass jetzt mehr Arbeit auf ihn zukommt, nimmt er gelassen: „Das ist doch klar, dass wir jetzt für die Bewohner da sein müssen, gerade in solchen Situationen.“ Sandra ergänzt, dass sie sich ja deshalb für diesen Beruf entschieden hätten, auch wenn sie natürlich keine Angehörigen ersetzen könnten.

Der Zusammenhalt wächst

Alle fühlen sich von ihren Teams gut begleitet: „Es ist toll, wie die Teams jetzt in der Krise noch stärker zusammenwachsen. Es findet sich sofort jemand, der einspringt, wenn Not am Mann ist“, sagt Justin. Auch Sandra fällt auf die Frage, ob sie der Situation auch etwas Positives abgewinnen könne, als erstes ein: „Der Zusammenhalt im Team!“.

Anton ergänzt, dass die Bewohner noch stärker als sonst ihre Dankbarkeit zeigen: Die Häuser seien ja für alle Besucher geschlossen, daher würden sie zu den einzigen Bezugspersonen für die Bewohner. „Ein Wort, ein Lächeln, man erkennt die kleinen Gesten und merkt, wie dankbar die Menschen sind, dass wir für sie da sind.“

Natürlich sind die Vorgaben, unter denen sie jetzt arbeiten müssen, belastend. Als erstes wird der Mundschutz genannt: „Den spüre ich noch eine Stunde, nachdem ich in abgenommen habe,“ beschreibt Justin das Gefühl.

Schule? Läuft.

Immerhin, Prüfungsangst hat keiner von ihnen. Justin, der im kommenden Monat seine Abschlussprüfung macht, ist ohnehin in der letzten Praxisphase. Zeit zum Lernen müssen man sich halt nehmen, sagt er. Anton, der nächstes Frühjahr fertig wird, ist zuversichtlich, dass der Lehrplan wieder aufgeholt wird. Der theoretische Unterricht aus der Schule klappe über E-Mail gut, die Lehrer seien sehr engagiert.

Pflege lernen in Zeiten von Corona?

Ist Corona also kein Grund, sich gegen eine Pflege-Ausbildung zu entscheiden? Überhaupt nicht, auch darin sind die drei sich einig. „Von unseren Bewohnern geht doch viel weniger Gefahr aus, als wenn ich mich auf der Straße bewege“, sagt Anton und ergänzt: „Corona geht vorbei, aber Menschen in der Pflege werden immer gebraucht.“ Auch Sandra ist sich sicher: „Was soll denn jetzt an unserer Arbeit gefährlicher sein als sonst?“ Justin zeigt sich sehr verantwortungsvoll, indem er darauf hinweist, dass er – und im Übrigen sein ganzes Umfeld – darauf Rücksicht nehme, dass er Verantwortung für die Gesundheit der Menschen trage, die er versorgt: „Treffen mit meinen Freunden, das mache ich eben im Moment nicht. Aber man bekomme so viel Positives zurück.“

Herzlichen Dank an Sandra, Anton und Justin für das Gespräch.

Tag der Pflege
Der internationale Tag der Pflege wird jedes Jahr am 12. Mai begangen, dem Geburtstag von Florence Nightingale, die als Begründerin der professionellen Krankenpflege gilt. Der Tag Ihr Geburtstag jährt sich 2020 zum 200. Mal, das diesjährige Motto lautet "Nursing the World to Health": Der Tag der Pflege soll in diesem Jahr insbesondere den außerordentlichen Beitrag der Pflegefachpersonen zur Gesundheit der Menschen überall auf der Welt herausstellen.


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