Solidarität in einer modernen Gesellschaft sieht anders aus

12.05.2016 | Schwerin. Die Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern würdigt anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai das Engagement der mehr als 4.500 Pflegekräfte, die in den ambulanten und stationären Pflegediensten oder in den Krankenhäusern der Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern ihren Dienst tun. "Was unsere Mitarbeitenden tagtäglich, rund um die Uhr leisten, ist ebenso unverzichtbar wie anspruchsvoll", sagt Martin Scriba, Landespastor der Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern.

"Es ist etwas Besonderes, wenn Menschen sich für diese wichtige Arbeit entscheiden und Pflegebedürftige, Kranke und Alte pflegen, ihnen und ihren Angehörigen rund um die Uhr Beratung und Betreuung anbieten sowie Halt und Unterstützung geben. Am Tag der Pflege stehen sie und ihr Wirken im Mittelpunkt: Wir sagen von Herzen ‚Danke’ für ihren unermüdlichen Einsatz."

"Auch die Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern begrüßt, dass die seit Jahrzehnten überfällige Reform der Pflegeausbildung jetzt angepackt wird. Ich freue mich, dass diese Reform auch dazu beiträgt, dass Auszubildende nicht auch noch Geld mitbringen müssen, damit sie eine Pflegeausbildung absolvieren können, wie bisher in der Altenpflegeausbildung", so Landespastor Martin Scriba.

Der Pflegeberuf wird überwiegend von Frauen ausgeübt, die oft auch vielfältige familiäre Herausforderungen zu meistern haben. Gleichzeitig entwickeln sich die Strukturen sozialer Einrichtungen und die Pflegeeinrichtungen infolge veränderter Rahmenbedingungen oder Spezialisierungen fortlaufend weiter. Durch die künftige Pflegeausbildung können Pflegefachfrauen und/oder Männer berufliche Veränderungen wesentlich leichter bewältigen. Ebenso sind familienfreundlichere Arbeitsplätze möglich. Angesichts der hohen Quote von Pflegefachkräften, die heute noch aufgrund der extrem hohen physischen und psychischen Belastungen aus dem Beruf „aussteigen“, bietet die neue Pflegeausbildung bessere Chancen, auch diesen Fachkräften neue berufliche Perspektiven zu eröffnen. Das ist sowohl familien- als auch gesellschaftspolitisch ungemein wichtig, um den Fachkräftemangel zu mildern.

Mit der Reform sind auch Verbesserungen für die praktische Ausbildung von Pflegeschülerinnen geplant. "Für die Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern ist aber auch wichtig, dass die Reform nicht dazu führt, dass Ausbildungsstätten reduziert werden", betont Landespastor Martin Scriba. Gerade in einem Flächenland müssen die Wege zur theoretischen und praktischen Ausbildung überbrückbar bleiben, zumal auch die praktische Ausbildung in verschiedenen Schichten und Einrichtungen durchgeführt wird.

Als unbefriedigend und widersprüchlich kritisiert Landespastor Martin Scriba die geplante Finanzierung der Pflegeausbildung. "Die Sicherstellung der Fachkräfte, die Pflegeleistungen erbringen, sehen wir als gesamtgesellschaftliche Aufgabe", sagt Martin Scriba. Zukünftig soll die Finanzierung durch ein Umlagesystem von den Krankenhäusern, den stationären Pflegeeinrichtungen, den ambulanten Pflegeeinrichtungen, dem jeweiligen Bundesland sowie der sozialen Pflegeversicherung getragen werden. Dabei soll der Hauptanteil der Finanzierung von mehr als achtzig Prozent bei den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verbleiben. Der Anteil der Pflegeeinrichtungen soll also auch weiterhin über einen Ausbildungszuschlag durch die Pflegebedürftigen getragen werden. Das bedeutet nach wie vor, dass Pflegebedürftige und Kranke die Hauptlast der Ausbildungskosten tragen müssen, das geht zu Lasten ihrer Pflege. "Solidarität in einer modernen Gesellschaft sieht anders aus", so der Landespastor weiter. Deshalb fordert er die vollständige Übernahme dieser Ausbildungsaufwendungen durch die Pflegeversicherung. "Dann leisten wir eben alle unseren Beitrag dazu, dass auch künftig Fachkräfte für die Pflege zur Verfügung stehen", sagt Martin Scriba.

Zahlen:

Die Diakonie hält in Mecklenburg-Vorpommern 6.845 Betten/Plätze vor. Rund 4.500 Mitarbeitende sind in diesen Pflegebereichen beschäftigt.

Im April 2016 waren in Mecklenburg-Vorpommern 563 Auszubildende in Pflegeberufen in vollstationären Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern in der Ausbildung. Von den 247 Einrichtungen im Bundesland haben 180 Einrichtungen Ausbildungsplätze angeboten. Davon bieten 59 diakonische Einrichtungen 161 Auszubildende Ausbildungsplätze an. Die übrigen 402 Auszubildenden verteilen sich auf 121 Einrichtungen anderer Anbieter.

Hintergrund: 12. Mai Internationaler Tag der Pflege | Ein Beruf feiert Geburtstag

Dass sich die Pflege überhaupt als eigenständiger Beruf etablieren konnte, ist im Wesentlichen der britischen Krankenschwester Florence Nightingale zu verdanken, die am 12. Mai 1820 geboren wurde. Gegen den Willen ihrer Eltern machte sich die Pionierin die Pflege Kranker und Leidender zur Lebensaufgabe. Sie entwickelte Ausbildungsstandards zur gezielten Ausbildung von Krankenpflegern und legte damit den Grundstein zur Etablierung der Pflege als eigenständige Profession. Seit 1967 wird in Deutschland an Nightingales Geburtstag der Tag der Pflege begangen.

Bereits 1836 wurde in Deutschland durch das Pastorenehepaar Theodor und Friederike Fliedner die erste organisierte Form für pflegerische Aufgaben gegründet: die Diakonissengemeinschaft in Kaiserswerth bei Düsseldorf. Von dort aus wurden die Schwestern dorthin entsandt, wo Not und Hilfe nötig war, überwiegend in die Pflege kranker und alter Menschen, meist in der Häuslichkeit, denn für alle zugängliche „Krankenhäuser“ gab es zu der Zeit kaum. Auf dieser Grundlage entwickelten sich Diakonissenmutterhäuser später in ganz Deutschland, im Jahr 1851 auch in Ludwigslust. Die Arbeit der Diakonissen bildet eine der Wurzeln der heutigen Diakonie.

ch 12.05.2016

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