Rumänische Asylberaterinnen bzw. -berater informierten sich bei der Diakonie über Asyl in Deutschland

Besuch der rumänischen Gäste bei der Petrusgemeinde in Schwerin
Foto: Diakonie M-V

19.03.2019 | Schwerin. Im Februar empfingen die Diakonischen Werke Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern drei Asylberater bzw. -beraterinnen der rumänischen Partnerorganisation AIDROM (Asociata Ecumenica A Bisericilor Din Romania). Im Vordergrund des Treffens stand der fachliche Austausch zum Thema Asyl und Asylverfahren in Deutschland und Rumänien. Initiiert wurde der Besuch über das Kompetenznetzwerk „Gemeinsam für Menschen“, in dem die Diakonie europaweit vernetzt ist. 

Flavius Iloni, Silvia Deanconu und Inken Jessen beraten geflüchtete Menschen in Bukarest und Timisoara hinsichtlich ihres Asylverfahrens und ihrer Integrationschancen in Rumänien. „Viele Flüchtlinge wollen von Rumänien nach Deutschland gehen. Sie hören von Freunden, dass es in Deutschland besser sei“, schilderte Flavius Iloni. „Wir freuen uns, dass wir uns die einzelnen Verfahrenspunkte ansehen können, damit wir auch die Fragen der Geflüchteten besser beantworten können. Es ist wichtig die Umstände vor Ort zu kennen, um einen tatsächlichen Eindruck vermitteln zu können.“

Fünf Tage lang begleiteten Vertreterinnen der Diakonie aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern  die rumänischen Gäste zu unterschiedlichen Stationen, die verschiedene Abschnitte des Asylverfahrens in Deutschland repräsentieren. Zunächst gab die kirchliche Beratungsstelle Fluchtpunkt in Hamburg einen Überblick über das Asylverfahren in Deutschland. Danach ging es zur Alten Schule Niendorf und der Ombudsfrau für Flüchtlinge in Hamburg.

In Mecklenburg-Vorpommern besuchten die Gäste die Landeserstaufnahmeeinrichtung (EAE) Nostorf-Horst, wo Asylsuchende aus MV und Hamburg untergebracht sind. Geflüchtete, die aus Rumänien weiterwandern, sind bundesweit in solchen Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht. Sie dürfen im sogenannten Dublin-Verfahren in Deutschland zunächst ihre Fluchtgründe nicht vorbringen. Das zuständige Landesamt für innere Verwaltung und die Betreibergesellschaft Malteser Werke gGmbH beantworteten Fragen zur Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten. Ihrerseits berichteten die rumänischen Berater und Beraterinnen, dass 2018 in ganz Rumänien etwa 3.000 Geflüchtete aufgenommen worden seien. Dies entspricht etwa der Anzahl der Geflüchteten in Mecklenburg-Vorpommern im selben Zeitraum. Nach einem Rundgang über das Gelände in Nostorf-Horst zeigten sich die Gäste beeindruckt von der stringenten Organisation vieler Lebensbereiche. Gleichzeitig fiel auf, dass es wenig Raum für die individuelle Tagesgestaltung gibt.

Im Anschluss besuchten Iloni, Deanconu und Jessen die Petrusgemeinde in Schwerin. Sie wurden dort von Landespastor Paul Philipps begrüßt und erhielten einen Überblick über das Kirchenasyl. Im Gespräch mit Ehrenamtlichen aus der Gemeinde, die Geflüchtete im Kirchenasyl begleiten oder als Deutschlehrer aktiv sind, erhielten sie Einblick in Abläufe und Unterstützungsformen. In Rumänien gebe es so etwas nicht und man könne es in dieser Form auch nicht anwenden, da die meisten Geflüchteten nicht in Rumänien bleiben wollen.

„Allerdings wäre es schön, wenn sich mehr Gemeinden mehr engagieren würden“, so Iloni. „Anerkannte Flüchtlinge, die Rumänien länger als einen Monat verlassen, haben zum Beispiel keinerlei Anspruch auf staatliche Unterstützung mehr. Wenn sie zurückkommen, bekommen sie keine Unterkünfte und Sozialleistungen mehr. So sind sie von Obdachlosigkeit bedroht. Es ist schrecklich für uns das zu beobachten.“

Das nächste Reiseziel waren zwei Projekte in Rostock: Die Unterkunft für Asylsuchende von Ökohaus e. V. sowie „Ankommen und Bleiben“ und „At home in Rostock“ der Rostocker Stadtmission. Hier erfuhren sie, dass es in den Gemeinschaftsunterkünften in Rostock z. B. eine hohe Überbelegungsquote gebe, da viele Geflüchtete aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes und Vorbehalten ihnen gegenüber keine Wohnungen finden. Bei der Rostocker Stadtmission schilderten die Beraterinnen, wie sie im Projekt „Ankommen und Bleiben“ Geflüchtete beraten und in Alltagsfragen unterstützen. So füllen sie mit ihnen Anträge aus und bieten Freizeitangebote: So beispielsweise einen Frauen- und einen Männertreff sowie ehrenamtlich betreute Deutschkurse und Informationsveranstaltungen. Im Projekt “At Home in Rostock“ vermitteln sie Kontakt zu deutschen Patinnen und Paten. Ein reger Austausch entstand über die Frage, mit welchen Events und Methoden sich Barrieren zwischen Alteingesessenen und Neuzugezogenen abbauen lassen. Von interkulturellen Festen bis Kennenlernspielen wurden verschiedene Ideen ausgetauscht.

Zum Abschluss der Reise besuchten die Gäste die Stele zum Gedenken an den rassistischen Angriff auf die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Rostock-Lichtenhagen 1992. Einen geschichtlichen Überblick verschaffte ein Vertreter des Lichtenhagen-Archivs von Soziale Bildung e.V. Zu jener Zeit suchten in der „ZAST“ (Zentrale Erstaufnahmestelle) hauptsächlich Menschen aus Rumänien Asyl. Rumänien wurde wenig später als eines der ersten Länder zum sog. „sicheren Herkunftsland“ erklärt. Infolge des rassistischen Angriffs wurde die ZAST nach Nostorf-Horst verlegt, wo auch heute noch Asylsuchende in der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht sind.

Der Erfahrungsaustausch mit den rumänischen Kollegen und Kolleginnen war für alle Beteiligten sehr bereichernd. Weitere Kooperationen werden im Kompetenznetzwerk „Gemeinsam für Menschen“ ausgebaut.

jr | kl 19.03.2019

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