Mehr Zeit für pflegebedürftige Menschen

15.09.2016 | Schwerin. Die Dokumentation und Nachweispflicht hat im Pflegebereich einen immer größeren Raum eingenommen. Das spüren die Pflegebedürftigen und Pflegenden in den Pflegeeinrichtungen deutlich als Zeit- und Arbeitsbelastung. Daher wurde auf Bundesebene ein Konzept für eine verschlankte Pflegedokumentation entwickelt.

Seit 2015 befindet es sich in der deutschlandweiten Einführungsphase. Interessierte ambulante und stationäre Einrichtungen der Langzeitpflege können sich hieran freiwillig beteiligen.

"Das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern begrüßt dieses Projekt sehr und setzt sich für die Einführung der entbürokratisierten Pflegedokumentation landesweit ein", sagt Diakoniepastor Martin Scriba. Seitdem beraten und unterstützen Maria Schommler und Katja Nilles diakonische Einrichtungen bei der Einführung und Umsetzung dieses Konzeptes. Dank der Förderung durch die GlücksSpirale konnte Juliane Vogler seit Oktober 2015 das Team verstärken. Damit konnte aufgrund der hohen Nachfrage der Bedarf an Schulungen für diakonische Einrichtungen vor Ort gesichert werden.

In mehreren zentralen Veranstaltungen in Kooperation mit dem Diakonischen Bildungszentrum Mecklenburg-Vorpommern gGmbH wurden im letzten Jahr Mitarbeitende interessierter Einrichtungen, darunter vor allem Pflegedienstleitungen und Qualitätsbeauftragte, zu den Grundlagen der effizienten Pflegedokumentation geschult und zu Multiplikatoren für ihre Einrichtung ausgebildet.

Dieses "Strukturmodell" konzentriert sich mehr auf eine ganzheitliche Informationssammlung und Risikobeurteilung. Erstellt wird ein persönlicher Maßnahmeplan für die einzelnen Pflegebedürftigen. Dabei werden beispielsweise auch die besonderen Gefährdungen Dekubitus, Schmerz, Ernährung, Inkontinenz und Sturz in den Blick genommen. Künftig werden dann nur noch die Abweichungen vom Maßnahmenplan und zu tagesaktuellen Ereignissen in einem Berichteblatt festgehalten. Die Durchführung medizinischer Leistungen wird weiterhin wie bisher nachgewiesen.

Das Projekt findet großen Anklang. In Mecklenburg-Vorpommern beteiligen sich bundesweit gesehen die meisten Einrichtungen an diesem Strukturmodell. Die Diakonie ist in Mecklenburg-Vorpommern mit 37 Sozialstationen und 61 diakonischen Pflegeeinrichtungen am Projekt zur Entbürokratisierung vertreten. Über 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wurden geschult, die in den diakonischen Einrichtungen die neue Pflegedokumentation einführen.

Im September startet nun auch ein Praxistest für Einrichtungen der Tages- und Kurzzeitpflege. Gemeinsam mit 11 weiteren Kurzzeitpflegeeinrichtungen im ganzen Bundesgebiet, testet die solitäre Kurzzeitpflege des Augustenstiftes zu Schwerin die Anpassung des Strukturmodells an die Erfordernisse für diesen Pflegebereich.

„Es ist besonders erfreulich, dass Dank des großen Engagements der diakonischen Einrichtungen und Multiplikatoren die Pflegedokumentation entbürokratisiert wird, und somit mehr Zeit für Gespräche und Fürsorge für pflegebedürftige Menschen bleibt“ würdigt Landespastor Martin Scriba die Bestrebungen.

ch/hr/mb/kn 14.09.2016

 

 

Das Team des Landesverbandes und des Diakonischen BildungsZentrums Mecklenburg-Vorpommern berät und unterstützt diakonische Einrichtungen bei der Einführung der entbürokratisierten Pflegedokumentation. Gefördert wurde das Projekt von der Glücksspirale.

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