Fachtag in Rostock spricht sich für eine verbesserte Vernetzung von 'Frühförderung' und 'Frühen Hilfen' aus

07.11.2014 | Rostock. Am Freitag, 7. November 2014 trafen sich in Rostock rund 150 Fachkräfte aus dem gesamten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zum 2. Forum Frühförderung. Die Teilnehmenden aus den Jugend- und Sozialämtern, Gesundheitsämtern, der Medizin, aus Kindertagesstätten und Schulen, Mitarbeitenden der Krankenkassen, Familienzentren und Frühförderstellen beschäftigten sich bei diesem Fachtag mit der Verknüpfung von „Frühen Hilfen“ und „Frühförderung“.

„Die 'Frühen Hilfen' sind ein Angebot für werdende Eltern und für Eltern, die aus unterschiedlichen Gründen sozialen Belastungen ausgesetzt sind. Sie wirken präventiv und nachhaltig durch professionelle Unterstützung beim Aufbau und Erhalt der Beziehung zwischen Eltern und Kind. Ziel ist es, Kinder mit Entwicklungsrisiken so früh wie möglich zu fördern, bevor es zu Entwicklungsstörungen kommt. Die 'Frühförderung' hingegen hilft Kindern, wenn eine solche Entwicklungsstörung festgestellt wurde, sie also von einer Behinderung bedroht oder behindert sind“, erläuterte Nadine Romanowsky, vom Diakonischen Werk Mecklenburg-Vorpommern e. V., den Unterschied. „Wir wollen mit dieser Fachtagung deutlich machen, dass es großen Sinn macht, beide Hilfsangebote eng miteinander zu verknüpfen“, sagte die Referentin für Behindertenhilfe/Sozialpsychiatrie.

Prof. Dr. Hans Weiß, emeritierter Professor der Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, versteht „Frühe Hilfen“ im umfassenden Sinne als präventiven Kinderschutz und plädiert dafür, dass in den „Frühen Hilfen“ die diagnostischen Kompetenzen der Frühförderung sowie die Erfahrungen der Frühförderung mit interdisziplinärer regionaler Vernetzung mehr genutzt werden sollten. „Zwischen den beiden Systemen gibt es viele Überschneidungen, die Ansatzpunkte für eine enge Kooperation bieten, diese wird bislang aber noch nicht in ausreichendem Maße praktiziert“, stellte Prof. Dr. Hans Weiß in seiner Analyse fest.

Ein Hinderungsgrund kann der Datenschutz sein. Neben der Sorge um den richtigen Umgang mit kind- und familienbezogenen Daten bestehen auch Unsicherheiten und mangelndes Wissen um das jeweils andere System und damit zusammenhängende Vorurteile und Befürchtungen. Hier zeigte Werner Baulig, Datenschützer beim Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit in Mecklenburg-Vorpommern Wege auf, wie der Informationsfluss innerhalb von Kooperationen unter Berücksichtigung des Datenschutzes möglich ist und die Weitergabe von Informationen z. B. bei Kindeswohlgefährung sinnvoll ist. „Das Wissen um die rechtliche Basis in Bezug auf den Datenschutz steigert die Chancen, dass sich die Kommunikation in der Vernetzung für das Kind, seiner Familie und zwischen den Professionen hilfreich auswirkt“, ermutigt Werner Baulig die Teilnehmenden zur Zusammenarbeit. Dass Vernetzung zwischen „Frühen Hilfen“ und „Frühförderung“ gelingen kann, darin waren sich die Anwesenden einig. Carsten Heinemann

In Mecklenburg-Vorpommern finden Familien in 12 Frühförderstellen der Diakonie Rat und Unterstützung.

Adressen der Frühförderstellen

ch 7.11.2014

 

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