Evangelisches Schulzentrum Martinschule gewinnt Deutschen Schulpreis 2018

Foto: Max Lautenschläger

15.05.2018 | Schwerin. Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald wurde mit dem Deutschen Schulpreis 2018 der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet. Der mit 100.000 Euro dotierte Preis wurde von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in Berlin überreicht. Landespastor Paul Philipps gratuliert der Martinschule im Namen des Diakonischen Werkes Mecklenburg-Vorpommern, die „mit ihrem sehr erfolgreichen, auf Inklusion zielenden Konzept auf kreative Weise im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht“.

Das Evangelische Schulzentrum Martinschule gibt es seit 1992. Fast die Hälfte der 550 Schülerinnen und Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Dennoch sind an der Martinschule die Ergebnisse der VERA-Vergleichsarbeiten, der zentralen Abiturklausuren und die Abschlussergebnisse der mittleren Reife seit Jahren besser als der Landesdurchschnitt. Jede Schülerin und jeder Schüler verlässt die Martinschule mit einem Abschluss – für Jugendliche mit Handicap, die an anderen Schulen häufig kein Zeugnis erhalten, gibt es einen schulinternen „Abschluss“.

„Inklusion ist anstrengend, aber sie lohnt sich“, betont Professor Michael Schratz, Erziehungswissenschaftler von der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises. „Während manche die Inklusion für gescheitert erklären, beweist die Martinschule mit ihrem außergewöhnlichen Inklusionsmodell das Gegenteil: Hier lernen alle Kinder und Jugendlichen erfolgreich unter einem Dach – ganz gleich ob mit oder ohne Handicap, Förderbedarf oder besonderer Begabung. Dabei nimmt sich die Martinschule auch der schwierigen Fälle an, bei denen es durchaus körperlich zugehen kann. Wir brauchen solche Schulen, die davor nicht zurückschrecken und dieser Herausforderung mit guten Konzepten begegnen.“

Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald liegt in Schönwalde I, einer klassischen Plattenbausiedlung mit günstigen Mieten, in der vor allem Rentner, Studenten, Geringverdiener und Menschen mit Migrationshintergrund leben. Hier öffnete vor 25 Jahren die „Schule für geistig Behinderte“, die sich zunächst zur inklusiven Grundschule entwickelte und dann erweitert wurde durch eine Integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. An der Martinschule lernen Kinder bis zur siebten Klasse mit den gleichen Lehrkräften in einer kleinen Stammgruppe, auf Ziffernnoten wird bis zur neunten Klasse verzichtet. Daneben profitieren die Jugendlichen vom besonderen jahrgangsübergreifenden Lernkonzept, das sie zum Ende der Schulzeit auf einen möglichst autonomen Lebensalltag und eine berufliche Integration vorbereitet: In der Schülerfirma „Häppchen & Co“ lernen sie den Umgang mit Geld und Lebensmitteln, im Projekt „Wohnungstraining“ wird in einer angemieteten Wohnung für die eigene Selbstständigkeit geübt. Für die Jury lebt hinter den professionell reflektierten Alltagsroutinen des Kollegiums aber vor allem eines: der unbedingte Wille, das „Anderssein“ der Kinder und Jugendlichen radikal zu akzeptieren und wertzuschätzen.

Die Robert Bosch Stiftung vergibt den Deutschen Schulpreis seit dem Jahr 2006 gemeinsam mit der Heidehof Stiftung. Er ist der bekannteste, anspruchsvollste und höchstdotierte Preis für gute Schulen im Land. Kooperationspartner sind die ARD und die ZEIT Verlagsgruppe. Seit dem Start des Programms haben sich rund 2.000 Schulen für den Preis beworben. Bei der Entscheidung über die Preisträger bewertet die Jury sechs Qualitätsbereiche: „Leistung“, „Umgang mit Vielfalt“, „Unterrichtsqualität“, „Verantwortung“, „Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner“ und „Schule als lernende Institution“. Diese Merkmale sind inzwischen als Kennzeichen für gute Schulqualität allgemein anerkannt.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.odebrecht-stiftung.de/schule.de

www.schulpreis.bosch-stiftung.de

 

kl 15.05.2018 | PM Robert-Koch-Stiftung 14.05.2018

 

 

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