Dürfen die das? - Auf dem Weg zur Inklusion

?Jeder bekommt so viel Unterstützung, wie nötig?, erklärt Teamleiterin Michelle Ruthenberg das Konzept vom Haus Barmherzigkeit in Burg Stargard, das sich in der Trägerschaft der Diakoniewerk Stargard GmbH befindet. Hier leben 21 Menschen mit einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung eigenständig zusammen. Das Haus befindet sich im Zentrum der Kleinstadt, ist grundlegend saniert und entspricht dem Standard für behindertengerechtes Wohnen.

Das Anliegen der Mitarbeitenden ist es, den Bewohnern begleitend und unterstützend zur Seite zu stehen. Jeder soll eigenständig und selbstbestimmt leben dürfen, auch wenn ein Aufenthalt in einer stationären Wohneinrichtung unvermeidbar ist. Ein Beispiel hierfür ist das so genannte Einkaufsprojekt. ?Früher wurde gruppenbezogen eingekauft, aber dann kamen einige Bewohner und wollten für sich alleine die Lebensmittel besorgen?, erzählt Frau Ruthenberg. Allen war klar, dass es sich um ein langfristiges Projekt handelt und es keine Garantie für ein Gelingen gibt. ?Uns war es wichtig, dass unsere Bewohner ausreichend Zeit bekommen, um Erfahrungen zu sammeln und Raum erhalten, damit sie sich ausprobieren können und Fehler machen, um daraus zu lernen?, so Frau Ruthenberg.

Doch nun sollte das Erlernte auch in der Praxis angewendet werden. Die ersten Kaufgänge wurden von den Mitarbeitenden aus dem Haus Barmherzigkeit begleitet. Natürlich war die Situation im Supermarkt nicht nur für unsere Bewohner ungewohnt, sondern auch für alle anderen Kunden und die Supermarkt-Angestellten. ?Geht das überhaupt? Dürfen die das??, waren nur einige Reaktionen. Heute, eineinhalb Jahre nach Projektbeginn, kann man sagen, es ist gut den Schritt gewagt zu haben. Die Befürchtung der Mitarbeitenden, dass die Bewohner ihr Verpflegungsgeld nun in Keksen und Cola anlegen, erwies sich als unbegründet. Die Bewohner lernten und lernen mit Geld umzugehen, ihre Grenzen auszutesten und gewinnen mehr Selbstvertrauen. Inzwischen gehören die kleinen Grüppchen, die sich montags und freitags auf den Weg in den Supermarkt machen, auch zum Burg Stargarder Stadtbild. Sollte es nötig sein, helfen die Einwohner der kleinen Stadt ihren Mitbürgern schnell und unkompliziert. Und aus der Frage ?Dürfen die das?? ist nun ?Ja! Wir dürfen das.? geworden. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen in die Gesellschaft eingebunden werden, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Einstellungen oder Einschränkungen. Diesem Schritt zur Inklusion ist man in Burg Stargard schon ein Stück näher gekommen.

Heike Köhler, Diakonieverein Neustrelitz e. V., Öffentlichkeitsarbeit

ch/cs 07.11.2013

 

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