Die Perspektive wechseln? Erfolgreicher Workshop zur Teilhabeorientierung in der Suchthilfe

03.05.2017 | Schwerin. Die Zahl der Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung ist seit vielen Jahren unverändert, die volkswirtschaftlichen Kosten und die gesellschaftlichen Folgen sind enorm, und der Behandlungsbedarf ist weiterhin hoch. Der Fachtag des Fachbereiches Gefährdetenhilfe des Diakonischen Werkes Mecklenburg-Vorpommern e. V. im Mai 2017 fragte nach den Teilhabemöglichkeiten suchtkranker Menschen

Dr. Theo Wessel, Geschäftsführer des Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe e. V. stellte nicht nur die alarmierenden Statistiken zur Suchtbehandlung vor, sondern er vermittelte auch Impulse für teilhabeorientierte Angebote für die Beratungspraxis. „Dem Bereich der suchtspezifischen Eingliederungshilfe ist in Zukunft besonderes Augenmerk zu richten“, führt Dr. Theo Wessel aus. Daran knüpfte Henrike Regenstein, Vorstand des Diakonischen Werkes Mecklenburg-Vorpommern mit Ihrem Vortrag zum neuen Bundesteilhabegesetz (BTHG) nahtlos an. Die Leistungen der Eingliederungshilfe werden künftig durch das BTHG in das Neunte Sozialgesetzbuch (Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen) integriert. Diese veränderte Sichtweise sowie eine Vielzahl von Strukturänderungen in dem Prozess der Angebotsentwicklung sollen Erkrankte wesentlich unterstützen helfen und Integration besser gelingen lassen.

Nachmittags wurden die Themen weiter vertieft. Hier ging es zum einen moderiert durch Privatdozent Dr. med. Michael Köhnke um Teilhabeorientierung in der Alkoholentwöhnungsbehandlung in der Friedrich-Petersen-Klinik Rostock und zum anderen moderiert durch Dipl.-Psychologin und Suchttherapeutin Jutta Scharf um Teilhabeorientierung in der Ambulanten Hilfe. Zwischendurch und im Rahmen der Workshops nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Rückmeldungen zu geben. Es erfolgte eine rege Diskussion, bei der viele offene Fragen angesprochen und teilweise schon geklärt werden konnten. Im Ergebnis konnten interessante Einblicke in die jeweils anderen Fachgebiete ermöglicht und situativ Kontakte vermittelt werden.

Hintergrund: Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein Menschenrechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. Sie beinhaltet zahlreiche, auf Lebenssituationen behinderter Menschen abgestimmte Regelungen. Daraus ergeben sich für uns neue Anforderungen in der Planung und Entwicklung von Angeboten in der Suchtkrankenhilfe.

Das heutige Verständnis von menschlicher Gesundheit stellt den Begriff der Teilhabe in den Mittelpunkt. Beeinträchtigungen der Teilhabe sind Probleme, die eine Person beim Einbezogensein in eine Lebenssituation oder einen Lebensbereich hat.

ch/Ines Jammer-lühr, 08.05.2017

 

 

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