Bürgerbeauftragter Matthias Crone besucht CAP Markt und Güstrower Werkstätten

27.04.2018 | Schwerin. Ende April besuchte Matthias Crone zwei diakonische Einrichtungen der Behindertenhilfe in Güstrow, um sich über die Arbeitsbedingungen von Menschen mit Behinderung zu informieren.

Foto (v.l.n.r.): Hans-Martin Goeritz, Mitarbeiter des Derzschen Hofs, Marita Butt, Henrike Regenstein, Matthias Crone
© Katrin Luther

Zunächst berichteten die Geschäftsführer der Güstrower Werkstätten GmbH Marita Butt und Hans-Martin Goeritz sowie Bereichsleiterin Annette Schilberg von ihren Erfahrungen seit 2009 mit dem eigenen Projekt „Fit für den Job“, das ebenso wie das aktuelle Leistungsangebot „Budget für Arbeit“ des Sozialministeriums Mecklenburg-Vorpommern darauf zielt, Menschen mit Behinderung auf dem Ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu ermöglichen.

Im Jahr 2013 begleiteten die Güstrower Werkstätten 11 Menschen mit Behinderung in Betriebe des Ersten Arbeitsmarktes, 2017 waren es bereits 33. Annette Schilberg erläuterte: „Wir brauchen verlässliche Strukturen. Die Begleitung der behinderten Arbeitnehmer ist sehr wichtig und dies dauerhaft. Am Anfang besteht ein hoher Bedarf an Assistenz, der schwankend verläuft. Dies ist schlecht planbar und schwer zu kalkulieren.“

Die vom Sozialministerium verabschiedeten Kriterien zur Umsetzung des Leistungsangebotes „Budget für Arbeit“ gehen nicht weit genug, kritisierten Vertreter der Diakonie Mecklenburg-Vorpommern. Es sollte ein Mindestprozentsatz für den Lohnkostenzuschuss festgelegt werden und die Assistenzleistungen müssen berücksichtigt werden. Die Assistenz begleitet und unterstützt den Arbeitnehmer, hilft bei Konflikten am Arbeitsplatz und berät den Arbeitgeber. Henrike Regenstein, Vorstand des Diakonischen Werkes M-V, betonte: „Wenn wir wollen, dass das Projekt ein Erfolgsmodell wird, dann brauchen wir Sicherheit auf Seiten der behinderten Menschen wie auch der Arbeitgeber. Insbesondere muss die Frage der Assistenz geklärt sein.“

Im Anschluss an das Fachgespräch besuchte Matthias Crone den Derzschen Hof, ein Bistro in gemütlichem Ambiente in einem stilvoll sanierten, denkmalgeschützten Gebäude in der Güstrower Innenstadt. Fünf Fachkräfte arbeiten mit zwölf Mitarbeitern mit Behinderung zusammen in dem Bistro. Birger Fust ist einer von ihnen. Seit der Eröffnung 2013 arbeitet er im Service. Mit Freude erzählte er dem Bürgerbeauftragten von seiner Arbeit im Derzschen Hof: „Man wird gefordert. Man lernt auch viel. Und die Arbeit wird anerkannt. Das ist sehr wichtig. Ich habe vorher auf dem Ersten Arbeitsmarkt in der Gastronomie Erfahrungen gesammelt. Dort wurden Mitarbeiter nicht immer freundlich behandelt.“ Auf Nachfrage von Crone erklärte Fust, dass die Bedingungen hier mit denen auf dem Ersten Arbeitsmarkt nicht zu vergleichen seien. Abteilungsleiterin Christiane Millow bestätigte, dass es eines ausgeglichenen, ruhigen und besonderen Arbeitsumfeldes bedürfe. Der Derzsche Hof gilt nicht als Inklusionsbetrieb, sondern fungiert als Werkstattbereich, der den Bedingungen des Ersten Arbeitsmarktes sehr nah kommt.

Einen Fußmarsch vom Derzschen Hof entfernt befindet sich der CAP-Markt Mitte, ein 2005 eröffneter Lebensmittelmarkt mit dem Sortiment von Edeka. In diesem Inklusionsbetrieb sind aktuell 14 Mitarbeiter beschäftigt, davon sieben besonders betroffene schwerbehinderte Mitarbeiter. Die Erfahrungen zeigen, dass die behinderten Mitarbeiter durch ihre Arbeit an der Kasse, beim Einräumen der Regale und in anderen Bereichen des Marktes große Entwicklungsfortschritte machen. Matthias Crone regt im Gespräch mit dem Geschäftsführer Bernd Tollander an, nach Güstrow, Rostock und Neubrandenburg auch in Schwerin einen CAP-Markt zu eröffnen. „Pläne gab es diesbezüglich bereits, nur bot sich bisher keine passende Immobilie an“, berichtet Tollander. Der Bürgerbeauftragte sagte für dieses Projekt seine Unterstützung zu. Auch die Diakonie würde die Eröffnung eines CAP-Marktes in Schwerin begrüßen.

 

kl  27.04.2018

 

 

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