Beratungsstellen geht die Luft aus – Land und Kommunen kürzen Mittel ohne Konzeption

16.06.2014 | Schwerin. Die Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern steuert jedes Jahr 500.000 Euro an Eigenmitteln für die Beratungsdienste bei. Zusätzlich unterstützt die Nordkirche diese diakonischen Dienste im Land mit jährlich 300.000 Euro aus Kirchensteuermitteln. Trotz dieser großen finanziellen Unterstützung von insgesamt rund 800.000 Euro aus kirchlichen Mitteln entwickelt sich die Beratungsarbeit zum Sorgenkind der Diakonie.

Dies berichtete Diakoniepastor Martin Scriba vor der Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes Mecklenburg-Vorpommern am heutigen Montag (16.06.2014). Ohne die Ergebnisse einer geplanten Evaluierung abzuwarten, haben Land und Kommunen die Förderung wichtiger Beratungsangebote eingefroren oder auch abgesenkt. „Nach und nach geht den Beratungsstellen die Luft aus, wenn in der Landes- und Kommunalpolitik nicht umgesteuert wird“, sagte Diakoniepastor Martin Scriba.

Mit großer Betroffenheit nahmen die Vertreterinnen und Vertreter der Diakonischen Einrichtungsträger diesen Bericht des Vorstands entgegen. Darin heißt es: „Der finanzpolitische Ansatz der Landesregierung: ‚Weniger Einwohner, weniger Probleme‘ geht nicht auf. Im Gegenteil, in Mecklenburg-Vorpommern wächst die Nachfrage nach Beratungsleistungen bei gleichzeitigem Rückgang der Einwohnerzahl. Die zur Verfügung gestellten Mittel sind unzureichend. Sie sind nicht dynamisiert und vernachlässigen die allgemeine Teuerungsrate. Dadurch wächst der Eigenanteil der Träger stetig an.“

Seit der Kreisgebietsreform 2011 in Mecklenburg-Vorpommern, stehen viele sozialen Dienste auf den Prüfstand. So musste die Diakonische Erziehungsberatungsstelle in Bad Doberan bereits im vergangenen Jahr ihren Dienst einstellen. Die Schuldnerberatungsstelle in Schwerin wird zum Ende in diesen Jahres folgen, wenn die Politik nicht umsteuert.Weitere Beratungsstellen überdenken ihre Tätigkeit.

"Planungssicherheit ist eine Grundbedingung für effiziente, professionelle Arbeit der Beratungsstellen. Diese Planungssicherheit ist mit den gegenwärtigen Finanzierungsmodi nicht gegeben", berichtet Martin Scriba. Die Mitgliederversammlung des Landesverbandes der Diakonie, in der 117 Rechtsträger 880 Diakonische Einrichtungen mit mehr als 12.000 Beschäftigten vertreten, erwartet von der Politik eine solide Finanzierung der Beratungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Sie plädiert für ein Gesetz, durch das die Beratungstätigkeit der freien Träger auf eine verlässliche Basis gestellt wird. Bei der Beratungstätigkeit der Freien Wohlfahrtspflege handelt es sich um langjährige kontinuierliche Leistungen der Träger. "Es kann daher schon lange nicht mehr von einer Projektfinanzierung gesprochen werden. Wir benötigen mehrjährige Zuwendungsverträge (3-5 Jahre Laufzeit) die zwischen dem Land, den Kommunen und Landkreisen sowie den freien Trägern abgeschlossen werden, damit Planungssicherheit entsteht", so der Diakoniepastor. Die Mitgliederversammlung beauftragte den Vorstand des Diakonischen Werkes, sich konsequent für die den Erhalt der Beratungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern einzusetzen.

Die Diakonie betreibt in Mecklenburg-Vorpommern 67 Beratungsdienste und beschäftigt in diesem Arbeitsfeld 133 Mitarbeitende.

ms/ks/ch 16.06.2014

 

 

nach oben